Bildung. Wissenschaft. Wohlstand. Die Stadt voranbringen (AGH-Wahlprogramm 2016)

Aus Programmatik FDP Berlin
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Bildung ist die zentrale Voraussetzung für jeden Menschen, seinen Weg zu gehen und sein Glück zu machen. Wir stellen Schülerinnen und Schüler, Studierende und Auszubildende, nicht bildungspolitische Theorien in den Mittelpunkt unserer Bildungspolitik.

Freie Demokraten setzen darauf, Wissen und Werte zu vermitteln, mit denen jeder sich im Arbeits- und Privatleben behaupten kann. Wer nichts weiß, muss alles glauben. Das schmälert das Selbstbewusstsein und mindert die Verantwortungsbereitschaft.

Wir wollen Aufstiegschancen für jeden und jede, gerade für die Leistungswilligen. Erfolgreiche Schulabgänger, Gesellen und Hochschulabsolventen erwarten eine Berufsperspektive in Berlin: in Handwerk und Industrie, in Forschung und Wissenschaft. Das immer weiter abgesunkene Leistungsniveau in den Schulen muss wieder angehoben werden, z.B. durch anspruchsvollere zentrale Prüfungen. Denn die Schule soll auf die Lebensrealität vorbereiten.

Die Berliner Schulen sind seit Jahrzehnten Experimentierfelder unzähliger ideologischmotivierter Reformversuche. Endlose Strukturdebatten bringen unsere Bildungseinrichtungen nicht voran. Unsere Schulen müssen aber national und international konkurrenzfähig werden. Berlins Schülerinnen und Schüler verdienen die beste Bildung.

Der vielerorts erbärmliche Zustand öffentlicher Schulen macht deutlich: es fehlt der Politik der Respekt vor der Zukunft kommender Generationen. Die schulische Infrastruktur muss dringend modernisiert werden. Der bestehende Sanierungsstau soll bezirksübergreifend nach Dringlichkeit innerhalb von 10 Jahren abgearbeitet werden.

Zukünftig sichert die Politik die Finanzierung und setzt Rahmen und Standards für vielfältige Angebote und Profile, um eine breite Bildungslandschaft für die Schüler mit ihren unterschiedlichen Begabungen und Interessen bereit zu halten. So können die Praktiker vor Ort Verantwortung für ihre Bildungseinrichtung übernehmen.

Schulen in die Freiheit entlassen – Der Weg zur Bürgerschule

Damit alle Schulen auf die individuellen Bedürfnisse der Schüler eingehen, ihre Stärken in einem fairen Wettbewerb entfalten und vielfältige pädagogische Angebote machen können, wollen wir ihnen mehr Freiheit einräumen:

  • Die pädagogische und didaktische Umsetzung der Rahmenpläne liegt in der alleinigen Verantwortung der Schulen. Zentrale Prüfungen gehören ebenso zum verbindlichen Rahmen wie die Vermittlung von Wissen und Grundkompetenzen.
  • Alle Schulen erhalten ein Budget, das über Schülerkostensätze ermittelt wird. Sie entscheiden eigenverantwortlich über ihren Haushalt. Die Kontrolle erfolgt über die Aufsichtsbehörde.
  • Schulen erhalten die Möglichkeit, ihr Personal eigenverantwortlich auszuwählen.
  • Sowohl Schulen in freier Trägerschaft als auch öffentliche Schulen können das Konzept der Freien Bürgerschule umsetzen. Schulen in freier Trägerschaft verzichten dabei jedoch auf eigene Einnahmen durch Schulgeld.
  • Das Budget einer Schule definiert sich in Zukunft nach dem Prinzip „Geld folgt Schülern“ über Schülerkostensätze.
  • Schulen, die selbstständig und eigenverantwortlich arbeiten, übernehmen nach und nach mehr Aufgaben. Daher wollen wir der pädagogischen Schulleitung zukünftig zusätzlich Fachleute für Verwaltungsmanagement zur Seite stellen.

Beste Bildung für Berlin

Die schulische Infrastruktur muss dringend repariert und modernisiert werden. Dreckige Klassenräume, stinkende Toiletten, kaputte Dächer, bröckelnder Putz und andere Baufälligkeiten müssen zügig beseitigt werden. Die Freien Demokraten werden diesen Missstand schnell, unbürokratisch und kurzfristig angehen. Jede Schule erhält ab sofort ein freies Budget von 15.000 Euro pro Jahr, um akute Missstände schnell und unbürokratisch zu beseitigen.

Schülerinnen und Schüler haben ein Recht auf Unterricht. Daher geben wir den Berliner Schülern und Eltern eine Unterrichtsgarantie. Wir fordern die Erhöhung des Personalkostenbudgets zur ausschließlich zweckgebundenen Finanzierung von Vertretungsunterricht. Die Schulleitung entscheidet unbürokratisch über die Einstellung von Lehrerinnen und Lehrern.

Wir werden die Übergänge von der Kita über die Grundschule bis in die jeweilige Oberschule vereinfachen. Jede Schule kann frei gewählt werden. Die Ganztagsbetreuung muss weiter ausgebaut werden. Dabei muss für die Schulen die Möglichkeit geschaffen werden, verstärkt mit Institutionen wie Musikschulen und Sportvereinen zusammen zu arbeiten.

Einzugsbereiche von Grundschulen werden wir bezirksübergreifend abschaffen, das Losverfahren und die Wahlmöglichkeit bei Aufnahmen in die gewünschten Oberschulen wird einfacher und transparenter gestaltet werden.

Die Durchlässigkeit zwischen den Schulformen muss gewährleistet werden, damit der Wechsel zwischen den vorhandenen Schulformen gesichert ist.

Die Transparenz über den Bildungserfolg jeder Schule wird durch die Veröffentlichung der Ergebnisse hergestellt.

Bildung ist ein Grundrecht. Dies gilt auch für Flüchtlinge. Kinder und jugendliche Flüchtlinge sollen schnellstmöglich in das Bildungssystem integriert werden und zwar von der Grundschule bis zur Hochschule und Ausbildung. Wichtigste Punkte dabei sind das Erlernen der deutschen Sprache und die lebensnahe Vermittlung der Verfassungswerte. Berliner Schulpläne sollen die Vielfalt der Hauptstadt realistisch vermitteln. Hierzu müssen auch sexuelle Orientierung und Identität fachübergreifend, insbesondere in Schulbüchern berücksichtigt werden, statt nur ein heteronormatives Gesellschaftsbild zu vermitteln. Wir fordern verpflichtende Fortbildungen für Lehrer und Schulleiter zur Sensibilisierung für den Umgang und die Vermeidung von Gewalt gegenüber Schülerinnen und Schülern, aber auch gegenüber und zwischen Kolleginnen und Kollegen. Diese Fortbildungen sollen auch dazu dienen, homophobes Verhalten an der Schule zu erkennen und ihm zu begegnen. Gleichzeitig müssen Schülerinnen und Schülern vermehrt Kenntnisse im Bereich der Konfliktlösung und Gewaltprävention vermittelt werden. Die Zahl von Sozialarbeitern und Schulpsychologen muss erhöht werden, um einen flächendeckenden Einsatz gewährleisten zu können.

Die Berliner Freien Demokraten fordern, die Arbeitsweise, Sprache, Kultur und politische Struktur der Europäischen Union und ihrer Mitgliedstaaten stärker als bisher im Schulunterricht zu behandeln. In den Schulen sollen verstärkt innereuropäische Austauschprogramme angeboten und beworben werden.

Wir wollen das Fach Wirtschaft & Politik in den Lehrplänen der Sekundarschulen, OSZs und Gymnasien einführen und dort fest verankern, ebenso wie wir den Unternehmergeist durch Entrepreneurship Education in die Schulen holen wollen.

Willkommensklassen, die zur Integration von Flüchtlingen einen wichtigen Beitrag leisten, dürfen nicht zu Regelklassen umgewandelt werden, um Schüler und Lehrer bei der Integration nicht zu überfordern.

Frühkindliche Bildung

Frühkindliche Bildung erhöht die Chancengerechtigkeit für Kinder. So werden Grundlagen für eine erfolgreiche Integration in die Gesellschaft geschaffen. Wir werden daher sicherstellen, dass Kindertagespflege, Kitas und weitere Angebote sich nicht nur der Betreuung, sondern vor allem der frühkindlichen Bildung verpflichten. Sie erfüllen gemeinsam mit den Schulen eine integrative Aufgabe. Der Betreuungsschlüssel an Berliner Kitas muss dementsprechend angepasst werden, damit Lehrerinnen und Lehrer ihren pädagogischen Aufgaben ohne Hindernisse und dauernde Überbelastung nachkommen können.

Ohne Sprachverständnis kann kein Kind, gleich welcher Herkunft, erfassen, was ihm Schulbildung vermittelt. Sofern Sprachdefizite festgestellt werden, besteht die Pflicht, eine frühkindliche Bildungseinrichtung mindestens in den letzten zwei Jahren vor Schulbeginn zu besuchen.

Grundschule

Die Eltern sollen selbst entscheiden, auf welche Schule sie ihr Kind schicken. Die Einschulungsbereiche sollen bezirksübergreifend aufgehoben werden. Die Bezirke sind aufgerufen, sich über ein berlinweit einheitliches und unbürokratisches Vergabeverfahren zu verständigen.

Zu Beginn der Schulzeit sollen Zielvereinbarungen zwischen Schule und Eltern abgeschlossen werden, die die Aufgaben beider Seiten klar definieren. Das hilft, Eltern ihre besondere Verantwortung und ihre Möglichkeiten bei der Förderung ihres Kindes zu verdeutlichen.

Wir wollen die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) durch Fachlehrer und bessere Ausrüstungsstandards in den Klassen 5 und 6 stärken.

Die Unterrichtsfächer Geschichte, Geografie und Politische Bildung/Sozialkunde sollen in den Klassen 5 und 6 weiterhin Bestand haben. Die Zusammenfassung zum Fach „Gesellschaftswissenschaften“ in den Grundschulklassen 5 und 6 lehnen wir ab. Neben den klassischen Schulfächern ist verstärkt auch auf bisher vernachlässigte Wirtschafts- und Medienkompetenzen hinzuarbeiten.

Sekundarschule

Wir wollen die Berufsorientierung und Berufsberatung in den Schulen verbessern. Dazu wollen wir im Fach „Wirtschaft-Arbeit-Technik (WAT)“ stärkere Kooperationen mit Unternehmen und Selbstständigen, um praxisbezogene Kenntnisse zu vermitteln. Eine Leistungsorientierung gilt auch an der ISS, eine Wiederholung der Klasse soll möglich sein, wenn es pädagogisch sinnvoll ist. Jede Sekundarschule soll selbstständig entscheiden, ob und wie sie eine Sekundarstufe II anbietet und ob diese als Abschluss das Fachabitur oder als gymnasiale Oberstufe das Abitur anbietet. Das Abitur über die Sekundarschule ist nach 13 Jahren zu erhalten.

Gymnasium

Für uns sind Gymnasien ein wichtiger und unverzichtbarer Pfeiler des Bildungsangebots. Das langsame Ausbluten der Gymnasien durch CDU, SPD, Grüne, Linke und Piraten, gerade auch durch unterlassene Baumaßnahmen, Hürden für grundständige Gymnasien und schlechte Ausstattung bei Personal und Sachausstattung darf so nicht weitergehen. Die Benachteiligung der Gymnasien durch niedrigere Schülerkostensätze (d.h. weniger Geld pro Schüler) gegenüber der Sekundarschule wollen wir abschaffen.

Grundständige Gymnasien sollen die Möglichkeit erhalten, ein eigenständiges Profil zu entwickeln. Die Zulassung zum Gymnasium darf nicht wie bisher vom Losverfahren und damit vom Losglück abhängen. Wir wollen Schülern den Besuch des Gymnasiums ab der 5. Klasse ermöglichen, da der Besuch der 5. und 6. Klasse am Gymnasium systematischer auf das Abitur nach 12 Schuljahren vorzubereiten vermag. Die Entscheidung einer Schule, sich in ein grundständiges Gymnasium umzuwandeln, soll letztendlich den Schulen vorbehalten bleiben.

An Berliner Gymnasien erfolgt das Abitur generell nach 12 Jahren. Dementsprechend sind diese Schulen personell auszustatten – die Lehrpläne in der Sekundarstufe müssen entsprechend angepasst werden. Wenn Schüler, Eltern und Lehrer in der Schulkonferenz eines Gymnasiums beschließen, das Abitur nach 13 Schuljahren zu ermöglichen, soll der Senat dies genehmigen.

Die Schulen im Zeitalter der Digitalisierung

Viele Schulen leben noch in der „Kreidezeit“.

Jede Schule soll einen WLAN-Zugang bekommen. Grundkenntnisse über den Umgang mit Medien müssen bereits früh ein Bestandteil des Unterrichts sein, um zielgerichtet Medienkompetenz zu erwerben.

Es soll zum Standard werden, dass Schülerinnen und Schüler sich mit ihren Lehrerinnen und Lehrern in fachlichen Fragen über speziell darauf ausgerichtete Lernplattformen austauschen können.

Neben den klassischen Schulbüchern muss es allen Schülerinnen und Schülern möglich sein, ihre Schulbücher auch in digitaler Form über ein Tablet zu nutzen. Damit werden vielfältige Lernmethoden über digitale Medien erschlossen. Lehrerinnen und Lehrer sollen dementsprechend fort- und weitergebildet werden.

Die Schreibschrift bleibt trotz Digitalisierung wichtiger und elementarer Bestandteil der schulischen Bildung.

Inklusion

Wir wollen das Konzept der Inklusion, des gemeinsamen Unterrichts von Schülern mit und ohne Behinderungen, zum Erfolg führen. Deshalb treten wir für tatsächliche Wahlfreiheit durch die Eltern ein. Wir wollen einerseits inklusive Angebote so fördern, dass Kinder mit und ohne Handicap sie wahrnehmen können. Gleichzeitig bleiben erfolgreich arbeitende Förderschulen erhalten. Die Eltern sollen im Dialog mit Lehrkräften entscheiden, welches Angebot ihr Kind nutzen soll. Inklusionsklassen müssen durch technische sowie personelle Ausstattung auf die Art des tatsächlichen Bedarfs abgestimmt werden. Die individuelle Förderung der Kinder mit Förderbedarf wollen wir über ein zusätzliches Budget verbindlich regeln. Durch die komplexere Aufgabe der Betreuung von einem oder mehreren Kindern mit Inklusionshintergrund muss die Klassengröße auf ein dem Lernerfolg zuträgliches Maß reduziert werden.

Begabtenförderung

Hochbegabte Kinder wollen wir konsequent fördern. In ergänzenden Kursen und Arbeitsgruppen sollen besondere Lernangebote gemacht werden („Enrichment-Konzept“).

Die Diagnosefähigkeit der Lehrerinnen und Lehrer an Grundschulen muss gestärkt werden. Wir Freie Demokraten fordern den Berliner Senat auf, jedem Kind, das den Test für eine Schnell-Lerner-Klasse bestanden hat, einen entsprechenden Schulplatz zur Verfügung zu stellen. Dabei sollten die Schulen die Möglichkeit erhalten, bei Bedarf weitere Schnell-Lerner-Klassen an ihrer Schule einzurichten.

Wir wollen auch Kinder und Jugendliche, die über eine praktische Begabung verfügen, fördern. Deshalb wollen wir uns in der Berufsschule für eine starke, individualisierte Förderung einsetzen und daher praktisch besonders begabten Berufsschülern die Möglichkeit bieten, zusätzliche Kurse zu besuchen, die es ihnen ermöglichen, ihre Talente zu nutzen.

Beste Lehrer für Berlin

Die Lehrerausbildung soll in den Universitäten in einer eigenständigen Einrichtung zusammengefasst werden. Fortbildungen sollen auch im Bereich Schulmanagement für Leitungskräfte erfolgen. Wir fordern, Lehrerinnen und Lehrern angemessene Fortbildungen und Supervisionen außerhalb der Unterrichtszeit zu ermöglichen und ggf. zu finanzieren.

Wir wollen, dass schon Bachelorabsolventen im Lehramtsstudium künftig als Schulassistenten eingesetzt werden können.

Eine Verbeamtung von Lehrkräften lehnen wir ab, denn das Berufsbeamtentum ist mit unserer Vorstellung von eigenverantwortlichen und flexiblen Schulen nicht vereinbar.

Den angestellten Lehrerinnen und Lehrern wollen wir in Berlin attraktive Arbeitsbedingen bieten: moderne Arbeitsplätze in der Schule, Leistungsanreize, eine flexible Arbeitszeitregelung und weniger Bürokratie sind wichtige Schritte, um Berlin als Arbeitsplatz für Lehrer attraktiv zu gestalten.

Wir wollen Schulen und Hochschulen für die Lehrerausbildung besser vernetzen, damit Lehramtsstudierende früher und intensiver Erfahrungen im Schulalltag sammeln können.

Die Personalausstattung der Schulen muss auf 110% angehoben werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass der Vertretungsbedarf an Berliner Schulen gedeckt werden kann.

Ausbildung

Die deutsche duale Ausbildung ist ein Vorbild in der Welt. Berufsorientierung und -beratung wollen wir durch ein vermehrtes und früheres Angebot in den Schulen verbessern, um die Vielfalt von über 300 Ausbildungsberufen frühzeitig aufzuzeigen. So wird den Schülerinnen und Schülern die gezielte Qualifizierung für ihren Wunschberuf erleichtert.

Die Durchlässigkeit zum Hochschulsystem nach erfolgreicher Berufsausbildung wollen wir verbessern. Dazu werden wir Aus-, Fort- und Hochschulbildung besser verzahnen, um qualifizierten Absolventinnen und Absolventen Weiterbildungschancen zu eröffnen.

Wir wollen zudem, dass neben dem ERASMUS-Studentenaustauschprogramm auch der europäischen Austausch in beruflichen Aus- und Weiterbildungsgängen intensiv beworben wird.

Außerschulische Bildung

Die Ausstattung der bezirklichen Bildungseinrichtungen (VHS und Musikschulen) ist so sicher zu stellen, dass diese ihrem Bildungsauftrag im Rahmen der vorgegebenen Standards nachfrageorientiert gerecht werden können. Sie sollen die ihnen zugewiesenen Haushaltsmittel eigenverantwortlich verwalten. Schülerwartelisten sind inakzeptabel und sind daher zügig abzubauen.

Mitsprache von Schülern und Eltern

Auch Schulen in freier Trägerschaft sollen in Elternvertretungen, Schülerausschüsse und Jugendparlamente auf Bezirks- und Landesebene Vertreter mit Stimmrecht entsenden dürfen. Die Verweigerung des Stimmrechts stellt eine nicht gerechtfertigte Benachteiligung freier Schulen dar. Das Schulgesetz ist entsprechend anzupassen.

Wissenschaft und Hochschule

Bildung braucht mehr Bezug zur Praxis und weniger Sonntagsreden. Lust auf Neues, die Neugierde der Lernenden bringt nicht nur Wissenschaft und Forschung voran. Sie eröffnet auch Entwicklungsräume für neue Ideen, Produkte und Arbeitsplätze. Bildung und Wissenschaft leben von der Überzeugung, dass mehr Wissen neue Chancen eröffnet. Die Wissensgesellschaft weiß, dass die Explosion des Wissens neue Energien und damit Möglichkeiten freisetzt. Sie lebt und profitiert vom Mut zum Aufbruch und zur Veränderung, den unsere Gesellschaft auch auf dem Weg in die Zukunft braucht.

Die Hochschul- und Wissenschaftslandschaft in der Metropolregion Berlin lebt durch ihre Vielfalt – die Vielfalt der Fächer und der Hochschulen. Wir möchten die Eigen- und Selbstständigkeit der Hochschulen ausbauen. Sie werden durch unnötige Regulierungen und zur Durchsetzung politischer Ziele durch die Senatsverwaltung gegängelt. Beispielsweise sollen Hochschulen Berufungen von Professorinnen und Professoren eigenständiger durchführen und über die Höhe von Leistungszulagen selbstständiger entscheiden können. Statt Verwaltungsvorschriften sollen wieder die Qualität der Forschung und insbesondere auch der Lehre im Vordergrund stehen. Hochschulen müssen darüber hinaus in die Lage versetzt werden, flexibel und angemessen auf internationale Bedingungen und Entwicklungen bei der Vergütung und Nebenabreden zu reagieren.

Hochschulfinanzierung

Wir fordern eine solide Grundfinanzierung der Hochschulen für geeignete Rahmenbedingungen wie z.B. bessere Ausstattung, ausreichende Lehrveranstaltungen, gut ausgestattete Bibliotheken, angemessene Arbeitsplätze für Studierende und Tutoren. Die kontinuierliche Sanierung aller Standorte ist sinnvoll, sonst wächst der Kostenberg kontinuierlich.

Die Mittelvergabe des Landes muss nach klaren Kriterien erfolgen, die sich auf die Leistung in Forschung und Lehre beziehen. Dafür sollen die aus dem BAföG freiwerdenden Mittel, die das Land Berlin nicht mehr für das BAföG bereitstellen muss, eingesetzt werden. Die einzelnen Hochschulen sollen die Mittel jeweils in einer Gesamtsumme erhalten, über die sie im Rahmen ihrer Leistungsvorgaben verfügen können.

Wir fordern, den Hochschulen in der Lehre vor allem auf der Basis des Prinzips GefoS („Geld folgt Studierenden“) Mittel zur Verfügung zu stellen. Wenn Studierende sich für eine Hochschule entscheiden, entscheiden sie damit auch über den Zufluss von angemessenen Mitteln und stärken unmittelbar die Hochschule ihrer Wahl.

Dieses Prinzip soll gleichermaßen für staatliche und private Hochschulen gelten. Der Staat soll die Bildung junger Menschen finanzieren, unabhängig von der staatlichen oder privaten Trägerschaft der Einrichtung. Daher wollen wir private Hochschulen in das „Geld folgt Studierenden“-Modell einbeziehen und sie finanziell den staatlichen Hochschulen gleichstellen.

In den Hochschulverträgen wollen wir uns gemeinsam mit den Hochschulen auf Ziele, insbesondere bei der angebotenen Anzahl von Studienplätzen einigen. Damit wollen wir mit den Hochschulen auch die Voraussetzungen schaffen, dass studierfähige Flüchtlinge mit einer Bleibeperspektive in Deutschland ihr Studium in Berlin aufnehmen oder fortsetzen können. Bildung ist der beste Weg zur Integration in unsere Gesellschaft und der beste Weg, die gegenwärtige Herausforderung der Zuwanderung in das Wirtschaftswachstum der Zukunft zu wandeln.

Das Institut für angewandte Forschung Berlin (IFAF) soll in die Einstein-Stiftung überführt und dort als eigenständige Förderlinie für anwendungsorientiert forschende Hochschulen fortgeführt werden.

Studienfinanzierung

Die Freien Demokraten setzen sich dafür ein, dass die finanzielle Situation des Einzelnen oder seiner Familie keinen Einfluss auf die Studienentscheidung und den Studienerfolg hat. Wir fordern ein elternunabhängiges BAföG, das sich an den Bedürfnissen des jeweiligen Studierenden orientiert und nach dem Verlassen der Hochschule und nach sozialen Kriterien (wie z.B. einem Mindesteinkommen) zurückgezahlt werden muss. Gleichzeitig wollen wir das neue BAföG-Modell durch eine erhöhte Zahl an leistungsbezogenen Stipendien ergänzen. Wir werden dazu sowohl Initiativen auf Bundesebene anstoßen als auch auf Landesebene Modelle entwickeln und umsetzen. Des Weiteren setzen wir uns für die Weiterführung und den weiteren Ausbau des Deutschlandstipendiums ein. Autonome Hochschulen sollen unabhängig in Rahmen ihrer Selbstorganisation entscheiden, ob sie zusätzlich nachgelagert Studiengebühren als ergänzende Finanzierung erheben.

Lehren und Lernen an der Hochschule

Wir setzen uns dafür ein, dass sich das Betreuungsverhältnis an den Hochschulen verbessert und Studiengänge für Studierende flexibler gestaltet werden. So sollen für das Lehren und Lernen an den Hochschulen die Möglichkeiten des E-Learnings als Verbindung von Präsenzveranstaltungen und computergestützten Lehrangeboten verstärkt genutzt werden. Das ist eine der Möglichkeiten, wie wir den Zugang zur Hochschule für Menschen mit Beeinträchtigungen, mit pflegebedürftigen Angehörigen, für Menschen ohne familiären akademischen Hintergrund und andere verbessern möchten. Um das Lernen individueller gestalten zu können, fordern wir, dass in der Hochschulstadt Berlin mindestens eine 24-Stunden-Bibliothek pro Universität eingerichtet wird, die an sieben Tagen in der Woche geöffnet hat.

Um die Qualität der Lehre und deren Bedingungen zu optimieren, braucht es auch ein verbindliches, an der pädagogischen Praxis orientiertes Qualifizierungsprogramm für alle Lehrenden.

Anstellungsverhältnisse von Wissenschaftlern und Akademischem Mittelbau

Die Belastungen des akademischen Mittelbaus und die Anforderungen an ihn sind hoch. Um die Situation zu verbessern und die Lehrfähigkeit auszubauen, sollen breitere und differenziertere Angebote zur Weiterbildung in der Hochschuldidaktik angeboten werden. Tenure-Track-Programme nach dem Münchener Vorbild sollen ausgebaut, also die Berufung vielversprechender wissenschaftlicher Talente mit einem zeitlich befristeten Vertrag und der gleichzeitigen realistischen Aussicht auf eine Stelle auf Lebenszeit gefördert und Übergänge vom Mittelbau zu Professuren erleichtert werden. Dabei sollen die Hochschulen Wissenschaftlern individuell ermöglichen können, ihrer Lehrverpflichtung flexibel nachzukommen. Die Lehrverpflichtung soll beibehalten werden, um so sicherzustellen, dass weiterhin genügend Lehrangebote an den Hochschulen bestehen. Wir haben nicht zu viele, sondern zu wenige Lehrangebote. Wichtig ist, dass die Einheit von Forschung und Lehre innerhalb einer Hochschule gewahrt wird, aber nicht zwangsweise bei jeder Professur.

Wir werden uns für einen eigenständigen Wissenschaftstarifvertrag für einen hochdynamischen Arbeitsmarkt einsetzen. Dadurch schaffen wir die Voraussetzungen für ein eigenständiges Tarif- und Vergütungssystem für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, wissenschaftlichen Nachwuchs und wissenschaftlich-technisches Personal. Ebenfalls werden wir uns für eine sinnvolle Reform des Wissenschaftszeitvertrages einsetzen, die weder Studierende gängelt noch Professuren verhindert. Wir denken wissenschaftliche Karrieren von Anfang an: Vom Job als studentische Hilfskraft über das Promotionsangebot mit guter Betreuung bis zur Professur. Wir Freien Demokraten sehen aber auch, dass nicht jeder Studierende eine Professur antreten kann – deswegen ist es wichtig, Absolventen auf den Arbeitsmarkt außerhalb der Hochschulen vorzubereiten, gemeinsam mit der Wirtschaft.

Medizinische Hochschule Charité

Die universitären Aktivitäten der Charité werden wir in eine Medizinische Hochschule in öffentlicher Trägerschaft überführen. Dieser wollen wir mehr wissenschaftliche und wirtschaftliche Freiheit durch Zielvereinbarungen einräumen, die die bisherige Detailsteuerung ersetzen. Dazu wird die neue Medizinische Hochschule einen eigenständigen Hochschulvertrag erhalten.

Exzellenzinitiative

Damit sich wissenschaftliche Exzellenz auch entfalten kann, braucht sie Freiräume. Zur Förderung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Forschung ist es notwendig, die Anzahl von Studierenden pro Professor an Universtäten/ Forschungseinrichtungen deutlich zu reduzieren. Dabei setzen wir uns für den Erhalt der durch die Exzellenzinitiative neu geschaffenen Strukturen an den Hochschulen ein, aber auch für eine stärkere Einbeziehung der Lehre. Dies gilt insbesondere für die Graduiertenschulen und Exzellenzcluster, die auf Bundesebene für die Berliner Hochschulen dauerhaft gesichert werden sollen. Die Vorschläge der sog. Imboden-Kommission, insbesondere in Bezug auf die dritte Förderlinie (Exzellenzprämie) halten wir für sachgerecht und werden uns für eine Umsetzung in diesem Sinne einsetzen.

Internationalisierung

Um verstärkt Studierende und Wissenschaftler aus aller Welt nach Berlin zu holen, ist Englisch als weitere Verkehrssprache in der Hochschulverwaltung überall an den Stellen anzubieten, an denen die Verwaltung direkt in den Kontakt mit Wissenschaftlern und Studierenden tritt. Ebenso sollen mehr englischsprachige Lehrveranstaltungen angeboten werden.

Wir wollen eine einfachere Anerkennungspraxis für im Ausland erbrachte Studienleistungen durch eine Umkehr der Argumentationslast: Grundsätzlich soll die Hochschule die im Ausland erbrachten Leistungen anerkennen, Fälle der Nichtanerkennung muss sie explizit begründen.

Gründungskultur an den Hochschulen

Wir sind stolz darauf, dass Berlin Gründerhochburg ist. Wir wollen diese Entwicklung weiter unterstützen und forcieren. Daher wollen wir die hochschulinterne Förderung von Gründungen und die Zahl von Ausgründungen als Bestandteil der Finanzierung der Hochschulen im Rahmen der Hochschulverträge verankern. Es bedarf einer intensiveren Förderung der MINT-Fächer, da eine starke naturwissenschaftliche Förderung die Entwicklung einer technologisch fortschrittlichen Gründerszene ermöglicht. Zudem sollen die Hochschulen Entrepreneurship-Programme stärker in den Fokus nehmen. Hochschulangehörigen soll es erleichtert werden, ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse in marktgängige Innovationen umzuwandeln und dafür Unternehmen zu gründen. Hierfür sollen sie die Infrastruktur der Hochschulen auch in der Entwicklungsphase von Innovationen gegen eine angemessene Kostenbeteiligung nutzen dürfen.

Für Gründerinnen und Gründer aus dem wissenschaftlichen bzw. Hochschulbereich wollen wir die Möglichkeit von Sabbaticals (Freistellungen auf Zeit) für die Gründung von Unternehmen eröffnen.